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COVID-19 und Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett


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Ein Thema, das aktuell wohl in aller Munde ist: das neue Coronavirus, auch SARS-CoV-2 genannt und die Lungenerkrankung COVID -19. Zugegeben: Man kann es kaum noch hören. Und trotzdem, oder eben deshalb, möchte ich euch eine kurze, kompakte Zusammenfassung von all dem geben, was man über das Coronavirus in der Schwangerschaft, unter der Geburt und im Wochenbett weiß.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass Schwangere kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Sie gehören nicht zu den Risiko Gruppen. Allerdings sollen schwangere Arbeitnehmerinnen vor allem in Gesundheitsberufen freigestellt werden und an allen Arbeitsplätzen mit hohem Kundenkontakt (z.B.: Supermarkt) Bereichen mit weniger Kontakt zu anderen Menschen zugewiesen werden. Die Hygienemaßnahmen gelten auch für Schwangere: wascht eure Hände regelmäßig, haltet Abstand und achtet auf eure Gesundheit. Für Schwangere gilt für das Tragen von Schutzmasken folgende Empfehlung: Tragt eure Schutzmasken nicht länger als EINE Stunde durchgehend.

Wie sieht es mit Untersuchungen und Hebammenvisiten aus? Langsam lockert sich die Lage wieder etwas. Trotzdem soll Kontakt zu fremden Personen immer noch etwas vermieden werden. Wenn von eurem Gynäkologen/eurer Gynäkologin nicht anders kommuniziert: tragt zu euren Vorsorgeuntersuchungen eine Schutzmaske und desinfiziert euch vor und nach dem Besuch beim Arzt die Hände. Dasselbe gilt für die Visiten bei eurer Hebamme. Momentan müssen die Untersuchungen im Mutter-Kind Pass NICHT zum geplanten Zeitpunkt wahrgenommen werden. So kann zum Beispiel das Hebammen-Beratungsgespräch, welches zwischen der 18 und 22 Schwangerschaftswoche vorgesehen ist, auch später in Anspruch genommen werden. Die hat auch KEINEN Einfluss auf den Bezug des Kinderbetreuungsgeldes.

Und während der Geburt? Die Krankenhäuser achten momentan noch stärker als sonst auf Hygiene und darauf, dass sich niemand mit COVID-19 infiziert. Beim Betreten des gewählten Krankenhauses wird man gegebenenfalls kurz durchgecheckt, kurz befragt, Fieber gemessen, Hände desinfiziert und mit einem Mund-Nasen-Schutz ausgestattet (das Prozedere weicht von Krankenhaus zu Krankenhaus etwas ab). Meist geht die werdende Mutter dann erstmal alleine ins Kreißzimmer und es wird geschaut, ob das Kind in absehbarer Zeit geboren wird, es noch länger dauert oder die Frau vielleicht sogar wieder nach Hause geht. Bis das geklärt ist, kann es sein, dass der werdende Papa bzw. die Begleitperson warten muss. Scheint die Geburt des Kindes in absehbarer Zeit zu sein, wird die Begleitperson dann ins Kreißzimmer gerufen. Steht die Geburt erst ganz am Anfang und die werdende Mutter geht noch auf die Station, wird die Begleitperson meist nach Hause geschickt und erst gerufen, wenn die Geburt absehbar ist und die werdende Mama das Kreißzimmer nicht mehr verlässt. Nach der Geburt kann die kleine Familie meist zwei Stunden im Kreißzimmer bleiben und sich kennen lernen. Hier werden Mutter und Kind überwacht bis es danach auf die Station geht. Dann muss auch die Begleitperson das Krankenhaus verlassen. Besuch im Krankenhaus zu bekommen ist in den Krankenhäusern zum großen teil noch verboten oder wird erst langsam wieder gelockert. Da sich hier auch immer wieder etwas ändert, bitte ich euch selbst bei den jeweiligen Stationen nachzufragen, ob Besuch erlaubt ist, oder nicht. Einheitliche Regelungen gibt es dazu derzeit noch nicht.

Neben der Geburt im Krankenhaus habt ihr auch die Möglichkeit, euer Kind zu Hause mit einer Hebamme zur Welt zu bringen. Wenn euch der Gedanke an eine Hausgeburt gut gefällt kümmert euch rechtzeitig um eine Hebamme, die solche auch anbietet. Die Plätze sind leider begrenzt. 

Daneben habt ihr auch die Möglichkeit, einer ambulanten Geburt. Das bedeutet, dass ihr das Krankenhaus nach der Geburt in weniger als 24 Stunden wieder verlasst. Meist gehen Frauen nach einer ambulanten Geburt nach 2 bis 5 Stunden wieder heim. Auch hier solltet ihr euch rechtzeitig eine Hebamme suchen. Denn die Hebamme ist für euch da, sobald ihr aus dem Krankenhaus entlassen werden und teilt sich dafür ihre Zeit extra ein.

Ein kleiner Hinweis nebenbei: Hausgeburten und ambulante Geburten sind natürlich nur möglich, wenn ihr und euer Kind (auch außerhalb von COVID-19) vollkommen gesund seid und es euch gut geht.

Was passiert nach der Geburt? Ihr seid nun entweder auf der Wochenbett Station in Krankenhaus oder bereits zu Hause. So oder so: Ihr werdet betreut! Im Krankenhaus ist der Ablauf wie bisher, außer dass die MitarbeiterInnen einen Mundschutz tragen und auch ihr vielleicht noch einen Mundschutz tragen müsst, sobald jemand euer Zimmer betritt (wenn ihr alleine im Zimmer seid, natürlich nicht). Auch zu Hause kommt die Hebamme wie gewohnt zu euch. Solltet ihr krank sein, gibt es jetzt auch die Möglichkeit der telefonischen Beratung. Wenn ihr Stillen wollt, ist auch dies uneingeschränkt möglich. Selbst wenn ihr COVID-19 erkrankt seid! Es gibt momentan keinen Hinweis darauf, dass das Coronavirus über die Muttermilch übertragen wird. Wenn ihr nicht stillt, achtet auf gründliche Hygiene bei Flaschen und Saugern und kocht diese regelmäßig aus.

Und hier nochmal eine kurze Zusammenfassung für (werdende) Mütter:

-          Kein erhöhtes Risiko von schweren Verläufen

-          Vorsorgeuntersuchungen wenn möglich auf später verschieben

-          In Notfällen ist die medizinische Versorgung natürlich gesichert

-          Geburt findet normal statt

-          Begleitperson darf erst zur Geburt

-          Nach der Geburt keine Trennung von Mutter und Kind (auch nicht bei COVID-19 Erkrankung!)

-          Besuchsverbot (teilweise gelockert, bitte beim jeweiligen Krankenhaus nachfragen)

-          Stillen uneingeschränkt möglich (auch bei COVID-19 Erkrankung)

-          Auf Hygiene achten

-          Hebammenbetreuung ist gesichert (evtl. telefonische Beratung)

-          Sämtliche Kurse unter Einhaltung von gewissen Hygienemaßnahmen langsam wieder möglich

 

Ich hoffe ich konnte damit einige Fragen klären. Haltet Abstand und achtet auf Hygiene. Habt keine Angst, die medizinische Versorgung ist gesichert. Solltet ihr medizinische Fragen oder Sorgen haben, wendet euch an euren Gynäkologen/eure Gynäkologin, eure Hebamme oder die nächste Klinik.

Ich möchte nochmal erwähnen, dass die Aussagen nicht allgemein gültig sind. Jedes Krankenhaus arbeitet ein wenig anders. Solltet ihr spezielle Fragen haben, wendet euch am besten an die jeweilige Abteilung.

 

Bleibt gesund! 

Weitere Infos auf:

https://www.hebammen.at/coronavirus-faq/

https://www.arbeitsinspektion.gv.at/


Geburtspositionen


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Heute möchte ich mich ein bisschen mit dem Thema „Geburtspositionen“ beschäftigen und euch ein paar Möglichkeiten erklären. Generell gilt zu sagen: Bewegung unter der Geburt ist wichtig. Es hilft euch, die Wehen besser zu verarbeiten und gleichzeitig eurem Baby, sich gut an das Becken anzupassen. Insgesamt kann Bewegung also zu einer leichteren, vielleicht sogar schnelleren Geburt verhelfen.

Hier also nun einige Positionen, die ihr unter der Geburt ausprobieren könnt:

 

Stehen/ Gehen: Hier hilft die Schwerkraft mit. Besonders zu Beginn der Geburt, aber auch später zwischendurch, kann ein kleiner Spaziergang sehr guttun. Während der Wehe kann man sich dann am Partner/an der Partnerin, an einem Tuch oder einer Sprossenwand festhalten. Oder man legt seinen Oberkörper an einem Kasten oder dem Kreißzimmerbett ab. Versucht eine Position zu finden, die nicht zu anstrengend ist, in der ihr aber trotzdem gut mit der Wehe arbeiten könnt. Im Stehen hast du eine gute Bewegungsfreiheit. Dein Partner/deine Partnerin kann auch deinen Rücken massieren.
Der Nachteil: Du fühlst dich möglicherweise schnell erschöpft und deine Beine können dich nicht mehr tragen. In diesem Fall such dir eine andere Position.
Varianten: Du kannst auch ein Bein z.B. auf einem Hocker hochstellen.

Sitzen: Gerade für zwischendurch ist Sitzen nicht schlecht. Manche Frauen ertragen die Wehen im Sitzen am besten. Auf einen Gymnastikball/Pezziball zu sitzen gibt dir außerdem die Möglichkeit, den Becken zu bewegen.
Auch die Geburt selbst ist im Sitzen möglich. Nämlich auf einem sogenannten „Gebärhocker“. Dieser kleine Sessel hat (meist) keine Rücken- oder Armlehne, dafür im Sitz eine Aussparung für das Baby. Am besten lässt du dich von deiner Begleitperson im Rücken stützen. In dieser Position hat das Baby viel Platz, um ins Becken zu rutschen. Außerdem hilft auch hier die Schwerkraft etwas mit.
Der Nachteil: Eventuell zu wenige Möglichkeiten das Becken zu bewegenà auf Pezziball ausweichen
Varianten: Sitzen im Schneidersitz; aufrechter oder weniger aufrecht;

Tiefe Hocke: In dieser Position ergibt sich eine maximale Beckenausweitung. Das bedeutet: dein Baby hat viel Platz tiefer nach unten zu rutschen. Du selbst kannst vom Stehen in die tiefe Hocke gehen (manche Frauen empfinden dies während einer Wehe als angenehm) oder du lässt dir von deiner Begleitperson und der Hebamme helfen. Am besten haltest du dich selbst am Kreißzimmerbett, einer Sprossenwand oder einem Tuch fest. Oder du nimmst die Personen um dich herum als Stütze. In dieser Position kannst du auch dein Kind gebären.
Der Nachteil: Über längere Zeit für viele Frauen sehr anstrengend, daher nicht als ausschließliche Position zu empfehlen.

Vierfüßlerstand/Knien: Du kniest und stützt dich nach vorne hin auf deinen Armen ab. Dies ist der klassische Vierfüßlerstand. Da dies aber über längere Zeit zu anstrengend wäre, stützen sich viele Frauen mit dem Oberkörper am Kreißzimmerbett ab, oder, wenn man am Boden kniet, auf einem Pezziball. Das Becken ist im Vierfüßlerstand gut beweglich, der Partner/ die Partnerin kann den Rücken massieren und das Baby hat die Möglichkeit, ins Becken zu rutschen. Viele Frauen empfinden diese Position als sehr angenehm. Zwischendurch kann man sich auch aufrichten und auf die Fersen setzen.
Der Nachteil: Für manche Frauen nach längerer zeit anstrengend. Bei Knieproblemen teilweise nicht möglich.
Varianten: Knie-Ellenbogen Lage: dabei liegt der Kopf niedriger als das Gesäß. 

Seitenlage: Die Seitenlage ist eine sehr häufig verwendete Geburtsposition. Vor allem bei voranschreitender Geburt, wenn die werdende Mutter schon sehr erschöpft ist, wird häufig auf die linke oder rechte Seite gelagert. Auch wenn ihr zwischendurch müde seid, könnt ihr euch gerne auf die Seite legen. In dieser Position kann man auch gut sein Kind gebären, die Hebamme oder eure Begleitperson kann euch helfen, das oben liegende Bein zu halten und so Platz für das Baby zu schaffen. Auch bei einer PDA ist die Seitenlage häufig verwendet.
Der Nachteil: Die Bewegungsfreiheit ist dadurch etwas eingeschränkt. Schwerkraft wird nicht ausgenutzt.
Varianten: Klemme dir einen Polster oder einen kleinen Gymnastikball zwischen die Knie um das Becken etwas zu erweitern.

Die Rückenlage/ Steinschnittlage: In dieser Position liegst du mit mehr oder weniger erhöhtem Oberkörper am Rücken. Während der Wehen wird diese Position selten verwendet. Ein Grund dafür: das „Vena-Cava-Syndrom“. In Rückenlage wird die untere Hohlvene abgedrückt. Die führt bei dir zu Schwindel und zu einer schlechteren Versorgung deines Kindes. Versuche daher diese Position zu Beginn der Geburt zu vermeiden. Gegen Ende der Geburt, wenn du dann dein Baby aktiv aus deinem Körper zu schieben beginnst, wird diese Position nach wie vor recht häufig verwendet. Manche Frauen fühlen sich in dieser Position auch wohl. Ob diese Position auch für dich geeignet ist, entscheidest du selbst. Bei medizinischen Notfällen ist diese Position jedoch meist unumgänglich.
Der Nachteil: Keine Bewegungsfreiheit, Schwerkraft wird nicht genutzt, für die Frauen manchmal sehr ungemütlich.
Varianten: Oberkörper kann höher oder niedriger gelagert werden. Beine werden selbst gehalten oder in Beinschalen (wie beim Gynäkologen) abgestützt.

 

Fazit: Es gibt viele Unterschiedliche Positionen, die man unter der Geburt einnehmen kann. In jedem Fall sollte versucht werden, einige verschiedene Positionen einzunehmen, um in Bewegung zu bleiben.
Sprecht in jedem Fall mit eurer betreuenden Hebamme. Sie weiß oft, was in der jeweiligen Phase der Geburt am hilfreichsten ist. Sie kann außerdem abschätzen, ob die Position für den Geburtsfortschritt und für das Wohlergehen eures Kindes förderlich ist.

Noch ein Hinweis: nicht jede Position ist für jede Frau geeignet und jedes Hilfsmittel bei allen Krankenhäusern/Geburtshäusern/Hausgeburtshebammen verfügbar. Bitte besprecht eure individuellen Möglichkeiten mit den zuständigen Personen.

Alles Gute und bleibt in Bewegung!

 

Weitere Infos:

https://www.minimed.at/

https://medela-family.de/


Clusterfeeding

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Das Baby will an der Brust saugen. Nach wenigen Minuten hört es auf. Will 10 Minuten später wieder gestillt werden. Saugt dann 2 Stunden. Ist danach 30 Minuten satt. Will dann aber wieder an die Brust...
 Diese und ähnliche Situationen kommen frisch gebackenen Müttern oft bekannt vor. Und schnell stellt sich die Frage: habe ich überhaupt genug Milch?

Die Antwort auf dieses Phänomen: Clusterfeeding.
Und kaum eine Mama bleibt davon verschont.

Das Wort "Clustern" ist Englisch und bedeutet "ansammeln" oder "horten". Das Baby sammelt also Milch an.

Doch warum ist das so? Babys, besonders im ersten Lebensjahr, haben Phasen, in denen sie schneller wachsen oder sie bestimmte neue Dinge lernen. So viel wie ein Kind im ersten Lebensjahr lernt, lernt es danach nie wieder. Die Umstellung von der nährenden und wärmenden Gebärmutter auf die "Welt da draußen" ist enorm. Plötzlich lernt das Kind selbst atmen, auf sich aufmerksam machen, erste Worte, krabbeln, stehen, gehen und letztendlich auch, selbst Nahrung zu sich zu nehmen. 
All diese Dinge sind anstrengend. Und oft treten die Lernprozesse "schubweise" auf.
Und gerade in diesen Schüben sind Kinder häufig unruhig, wollen viel und häufig gestillt werden oder die Flasche bekommen. Sie sind, wie man weitläufig sagt, am "dauernuckeln“, weil sie die Energie brauchen, um neues zu lernen. 

Es gibt noch einen anderen Kontext, in dem dieses "Clusterfeeding" zu tragen kommt. Und das ist abends. Meist beginnend zwischen 17 und 18 Uhr, zieht sich das abendliche "dauerstillen" oft bis 21 oder 22 Uhr hin. Das klingt, zugegebenermaßen, erstmal viel. Doch die Kinder verarbeiten jetzt ihren Tag und alle neuen Eindrücke. Zudem enthält die Muttermilch Stoffe, die müde machen. Deshalb gibt es nach dem abendlichen Clusterfeeding auch eine etwas längere Ruhephase.

Was also tun, wenn das Baby gefühlt dauernd an der Brust hängt? Dem Kind genau das geben: die Brust. Auch wenn diese Momente anstrengend sind zahlt es sich aus, durchzuhalten. Die Milchmenge reguliert sich von selbst und nur die allerwenigsten Kinder benötigen zusätzliche Nahrung. Es bleibt auch nicht immer so. Besonders häufig und unregelmäßig gestillt werden wollen die Babys vor allem in den ersten Tagen nach der Geburt, dann beim ersten Wachstums Schub nach ca. 6 Wochen und beim zweiten Schub mit ca. 3 Monaten. Dazwischen und danach kann es ebenfalls immer wieder zu Phasen des exzessiven "Dauerstillens" kommen. Diese sind aber meist kürzer.

Generell gilt also zu sagen: nicht den Kopf in den Sand stecken! Deine Milch reicht! Lege dein Kind weiterhin nach Bedarf an. Bei Fragen oder Problemen konsultiere deine Hebamme oder eine Stillberaterin.

Übrigens: auch Flaschen ernährte Kinder können Phasen des "Clusterfeedings" haben. Sie sind aber häufig etwas weniger ausgeprägt.

Alles Gute und stillt weiter. :) 

Mehr Infos auf:

https://lansinoh.de/clusterfeeding-ein-stillmarathon-ueber-stunden

Das Tragetuch

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Als Trageberaterin ist es mir einfach ein Anliegen, über Tragetücher (und in weiterer Folge auch Tragehilfen) zu sprechen. Bei meinem ersten Kind durfte ich erleben, was es heißt, wenn ein Kind permanent getragen werden will. Das geht mit einem Tuch doch deutlich leichter, als wenn man es ständig im Arm haltet.
 

Was ist überhaupt ein Tragetuch? Ein Tragetuch ist ein Stück Stoff, mit einer Breite von ca. 70cm (je nach Hersteller etwas mehr oder weniger) und einer Länge zwischen ungefähr 270 und 570cm. Warum die Länge so schwankt, erkläre ich später nochmal genauer. Wichtig zu wissen ist, dass die Tragetücher in Größen eingeteilt werden. Damit beginnt Größe 2 bei 270cm und Größe 8 liegt bei 570cm. Dazwischen werden die Größen in 50cm Schritten eingeteilt.

Das Tragetuch selbst gibt es in zwei verschiedenen Ausführungen: gewebte Tragetücher und elastische Tragetücher. Da mein Fokus auf den gewebten Tragetüchern liegen wird, möchte ich nur ein paar kurze Sätze zu den elastischen Tüchern loswerden:
Elastische Tücher enthalten, wie der Name sagt, Elastan. Dies ist eine chemische Faser, die das Tuch dehnbar macht.  Elastische Tragetücher können vorgebunden werden. Dies macht es einfach, sie zu benutzen. Doch sie haben auch einen entscheidenden Nachteil: Laut den Herstellern sind sie nur bis zu einem Gewicht von 9kg einsetzbar. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass viele Frauen die elastischen Tücher schon ab einem Körpergewicht von 5 oder 6kg langsam unbequem finden. Dies liegt einfach daran, dass die Tücher ziemlich nachgeben und nicht mehr richtig festgezogen werden können. Das Gewicht beginnt sich ungleichmäßig zu verteilen. 

Bei gewebten Tüchern sieht das ganze etwas anders aus: Diese, meist in Kreuzköper oder Jaquard Technik gewebten Tücher, geben nicht so sehr nach. Dennoch sind sie diagonalelastisch. Das bedeutet, dass sie, wenn man sie an zwei diagonalen Ecken zieht, sehr wohl ein wenig elastisch sind. Diese Elastik liegt aber an der Webtechnik. Gewebte Tücher enthalten KEIN Elastan. Sie sind meist aus reiner Baumwolle hergestellt. Durch diese speziellen Webtechniken passen sie sich also optimal an das Kind an und können sehr lange benutzt werden. Und wenn das Kind zu groß geworden ist zum Tragen, kann man gewebte Tücher auch als Hängematte verwenden.

Tragetücher gibt es mittlerweile in sehr vielen verschiedenen Ausführungen. Auf dem Markt gibt es unzählige Marken. Die Tücher sind mit den unterschiedlichsten Mustern und Formen verziert und Frau hat die Qual der Wahl, welches Tuch sie kaufen soll. Da ich an dieser Stelle keine Markennennung machen möchte, gebe ich ein paar kleine Tipps, worauf zu achten ist:

 - Natürliche Materialien sind wichtig! Kein Zusatz von chemischen Inhaltsstoffen- Kinder nuckeln schon Mal am Tuch!

 - Besonders für Neugeborene und Mamas mit wenig Erfahrung beim Binden von Tragetüchern ist es wichtig, dass es sich um ein dünnes, leichtes Tuch handelt. Dickere Tücher sind zwar für schwere Kinder besser, aber auch schwieriger zu binden.

 - Für mich persönlich ist es auch wichtig, dass die Materialien aus biologischem Anbau kommen und die Tücher fair produziert werden. 

 - Für den Anfang reicht ein Tuch aus 100% Baumwolle. Ihr werdet merken, dass es am Markt auch Tücher mit Leinen, Seide, Wolle und anderen Materialien gibt. Diese sind meist etwas dicker oder nicht so griffig. Ihr könnt euch später noch durch verschiedene Materialien testen, wenn euch das Tragen gut gefällt.

Aber warum sollte man jetzt überhaupt tragen? Wie schon ganz zu beginn erwähnt, ist es doch einfach schön, beide Hände frei zu haben und trotzdem das Baby tragen zu können. Besonders bei Kindern, die häufig getragen werden wollen, erweist es sich als praktisch, damit man daneben z.B. noch den Haushalt machen kann. Auch für Spaziergänge oder kleine Wanderungen ist es praktisch, wenn man sein Kind nahe am Körper tragen kann. Außerdem braucht man im Auto nicht den Platz für einen sperrigen Kinderwagen. Ein Tragetuch oder eine Tragehilfe mitzunehmen ist weniger aufwendig. Doch nicht nur am Land, sondern auch in der Stadt ist es praktischer: das merkt man spätestens dann, wenn man das erste Mal in einen vollen Bus oder eine überfüllte Straßenbahn mit dem Kinderwagen steigen möchte.

Neben diesen technischen Vorteilen gibt es auch noch gesundheitliche Vorteile. Für das Kind bedeutet das Tagen Nähe und Sicherheit. Es kann sich an Mama oder Papa kuscheln, schlafen und sich verstecken, wenn es rundherum zu viel wird. Das Baby ist vor neugierigen Blicken geschützt. Der ganze Körper des Kindes ist, bei richtiger Bindeweise, optimal gestützt und die Beine sind in der sogenannten „Anhock-Spreiz-Stellung“. Daher: Die Beine sind angewinkelt, die Knie auf Nabelhöhe und die Oberschenkel leicht abgespreizt. Dies entspricht der Haltung, die Neugeborene automatisch einnehmen, wenn man sie hochhebt. Diese Anhock-Spreiz-Stellung bewirkt außerdem, dass sich die Hüfte des Kindes optimal entwickeln kann. Gerade bei Kindern, die eine leicht unreife Hüfte haben, kann das Tragen eine Verbesserung erzielen. Zudem können die Bewegungen, die das Kind im Tragetuch wahrnimmt, die motorischen Fähigkeiten verbessern.

Auch die Eltern profitieren vom Tragen: Das Ganzkörpertraining ist sanft, kann jedoch die Haltung und Rückenmuskulatur verbessern. Für Frauen ist es ein leichtes Beckenbodentraining. Zudem stärkt es die Bindung zum Kind.

Wann darf eine Trage oder ein Tragetuch NICHT verwendet werden? Für die allermeisten Frauen passt da Tragen sehr gut. Prinzipiell kann mit dem Tragen auch ab Tag 1 nach der Geburt mit dem Tragen begonnen werden. Natürlich hängt es davon ab, wie die frisch gebackene Mutter sich fühlt. Nach einem Kaiserschnitt sollte man besser ein wenig warten: ungefähr 6 Wochen oder solange, bis die Narbe sehr gut verheilt ist. Frauen mit starken Rückenbeschwerden oder anderen anatomischen Problemen wenden sich am besten an den behandelnden Arzt und/oder an eine Trageberaterin.

Wie binde ich nun das Tuch? Es gibt sehr viele verschiedene Techniken, sein Tuch zu binden. Dies macht es leichter, eine Technik zu finden, die bequem und praktisch für einen selbst und das Kind ist. Für die unterschiedlichen Techniken braucht man auch unterschiedlich lange Tücher (Infos zu Tuch-Größen siehe weiter oben). Ein paar generelle Dinge zum Binden des Tuches: Das Tuch immer schön festziehen. Zu locker gebundene Tücher werden schnell unbequem oder schneiden ein. Darauf achten, ob das Kind schön in Anhock-Spreiz-Stellung sitzt. Unterm Po soll das Tuch von Knie zu Knie gehen. Der Rücken des Kindes soll rund sein und über dem Rücken soll das Tuch keine Falten schlagen. Der Kopf soll, dem Alter des Kindes entsprechend, gut gestützt sein. Das Kind soll immer mit dem Gesicht zum/zur Tragenden schauen. Bedeutet: Trägt man das Kind vor dem Bauch schaut man dem Kind quasi ins Gesicht. Trägt man das Kind auf dem Rücken, schaut es auch Richtung Rücken. Man sieht leider sehr oft, dass die Babys vor dem Bauch mit dem Gesicht nach vorne getragen werden. Dies ist aus mehreren Gründen nicht zu empfehlen: erstens kann die Anhock-Spreiz-Stellung meist nicht korrekt eingenommen werden. Die Kinder sitzen gerade und durchgestreckt in der Trage, was sich negativ auf die Hüfte auswirkt. Zweitens kommt es zu einer Reizüberflutung. Die Kinder können sich den Eindrücken nicht entziehen. Wenn man das Gefühl hat, das Kind möchte mehr sehen, kann man es auf den Rücken packen, denn dann schaut es einfach über die Schulter, kann sich aber trotzdem jederzeit zurückziehen.

Sonderfall „Ring-Sling“: Der Ringsling ist ein kurzes Tuch mit zwei Rinden am Ende. Es wird über einer Schulter getragen und das lose Tuchende durch die zwei Ringe gezogen. Dadurch entsteht eine Schlaufe, in die man das Kind auf die Hüfte setzen kann. Der Sling ist also einfach zu bedienen, jedoch nicht für einen langen Spaziergang zu empfehlen, da sich das Gewicht nur auf einer Schulter verteilt.

Wenn ihr anfangen wollt zu tragen, euch unsicher seid, es ausprobieren wollt oder Fragen habt, wendet euch am besten an euere Trageberaterin. 

Nächstes Mal beschäftigen wir uns dann mit den Tragehilfen. Bis dahin macht es gut und „carry on“! 😉

Für weitere Infos:

https://www.bauchgedanke.de/tragen/